Polaroid

Vom Massenprodukt zu kleinen Kunstwerken

Angeblich durch unsauberes Arbeiten in den Labs von Polaroid eher zufällig entdeckt wurde die Idee, Polaroid Image Transfer einem kreativen Publikum zu vermarkten, zunächst verworfen. Dennoch fand die Idee ihren Weg in die Fotokunst-Szene. In den letzten Jahren vor der Einstellung der Produktion entdeckte Polaroid den Künstlermarkt wohl als eine Art letzten Rettungsanker und hat diese Techniken auf ihren Webseiten an prominenter Stelle propagiert. Letztenendes konnte es die Polaroid Corporation nicht mehr retten. 

Heutige Nachfolger scheinen die dafür geeigneten Filme nicht mehr im Fokus zu haben. Lediglich das Fuji-Pendant wird weiterhin produziert und vertrieben. 

Imagetransfer

Das Prinzip ist das, daß Dias auf Polaroid-Filme kopiert werden. Dazu verwendet man die alten ‚peel off’ Filme bzw. Trennbildfilme von Polaroid. Man beginnt nach der Belichtung den Entwicklungsprozess mit damit, daß man den Film aus der Halterung zieht. Eigentlich muß man dann 2 Minuten warten. In dieser Zeit entwickelt sich das Bild auf der ‚Negativ’-Seite und die Farbstoffe wandern dann in die Gelatineschicht auf der ‚Positiv’-Seite. Danach trennt man das Foto (‚Positiv’-Seite) durch auseinander ziehen ab.

Um ein Image-Transfer zu erzeugen, unterbricht man diesen Prozeß, indem man das Foto vorzeitig abtrennt. Als Foto verbleibt weiße Gelatine, die dann entsorgt wird. Ich mache das in der Dunkelkammer (ganz dunkel) direkt nach dem herausziehen des Fotos aus der Fassung.

Mit den originalen Polaroid-Filmen, wenn an denn och halbwegs firsches Material bekommt, kann man diese Arbeiten durchaus bei normalem Zimmerlich durchführen. Dazu wartet man etwa 15 Sekunden, beovr man Bild vom Film trennt. Alleridngs sieht man dann auf dem Foto bereits, daß sich Konturen des Bildes in Rot abzeichnen. Genau diese Menge rot fehlt dann später im Transfer, der in Folge dessn blaustichig wirken kann.

Verwendet man den aktuell noch produzierten Fuji FP 100C, dann sollte man den ganzen Vorgang bei schwachem Dunkelkammerlicht durchführen. Die Emulsion des Fuji bleibt länger lichtempfindlich als die des Polaroid. Den Fuji-Fim sollte man nicht an einer Ecke anfassen und dann diagonal trennen, sondern an einer kurzen Kante anfassen und längs der langen Seite gleichmäßig und zügig trennen. Dabei sollte man seine Technik so verfeinern, daß auf dem eigentlichen Foto keine rosafarbenen Reste des Films hängen bleiben. Diese Stellen werden im fertigen Produkt als Lücken sichtbar. 5 Euro Pola Transfer

Wie auch immer - unmittelbar nach dem Trennen des Films vom eigentlichen Bild drückt man die ‚Negativ’-Seite auf die Fläche, auf die das Foto übertragen werden soll. Dazu eignet sich am besten Aquarellpapier. Man kann mit allen möglichen Materialen experimentieren (Stoff etc).

Man unterstützt das Übertragen des Fotos indem man die ‚Negativ’-Seite mittels einer Rolle sanft und gleichmäßig andrückt. Wenn man zu stark drückt, dann quetscht man die Farbstoffe seitlich heraus und zerstört das Bild. Diesbezüglich ist originales Polaroid-Material empfindlicher als die Fuji-Filme.

Dieses Übertragen auf das neue Zielmedium kann man variieren (teilweise vereinfachen) indem man das Material vorher anfeuchtet.

Nach gut zwei Minuten wird dann die ‚Negativ’-Seite von dem Empfängermaterial vorsichtig getrennt. Hierbei kommt es vor, daß Teile des Bildes auf dem Negativ kleben bleiben. Ich habe ganz gute Ergebnisse erzielt, wenn ich das Negativ über ein Lineal oder Messer nach hinten abgerollt habe.

Der Polaroid läßt sichbesser auf rauhs Material mit Struktur (Stoffe, Leinwand etc.) übertragen, erzeugt aber unplanbare "Lift ofs". Das sind stellen, an denen die Farbe am "Negativ" hängen bleibt und nicht vollständig übertragen wird.
Der Fuji-Film schwächelt bei strukturiertem Untergrund, wird bei glatten Untergründen allerdings deutlich gleichmäßiger und ohne größere Lücken übertragen.  

Insgesamt ist das eine spannende und kreative Technik. Bei diesen Arbeiten entstehen grundsätzlich Unikate, weil wegen der Unzulänglichkeiten dieser Technik de facto keine zwei identischen Bilder entstehen.

 

 

Beispiele

von Emulstion Transfers und Image Transfers sind in der Polaroid-Galerie

Technisches

Filme

Polaroid Fujifilm Format Zoll Format cm
669 FP 100C 3.25" x 4.25" 08,3 x 10,8
559 FP 100C45 4" x 5" 10,2 x 12,7
59 FP 100C45 4" x 5" 10,2 x 12,7
809  ./. 8" x 10" 20,3 x 25,4

Leider sind diese Filme nicht mehr erhältlich.

Papier

Also neues Trägermaterial bieten sich insbesondere für den Fuji glatte, trockene und saugfähige Oberflächen an.

Leinwand, Stoff oder auch rauhes Aquarellpapier ist für Fuji weniger geeignet als für alte Polaroids. Der Effekt, daß angefeuchtetes Papier intensivere Farben erzeugt, die ähnlich einem Aquarell etwas verlaufen, was den Vorgang des Transfers selbst einfacher macht, ist mit dem Fuji bei Weitem nicht so deutlich ausgeprägt, wie man es von Polaroid kannte.

Glatte Oberflächen, also auch baumwollenes Aquarellpapier oder Schreibmaschinenpapier, weiße Postkarten etc, erzeugen ein sehr gleichförmiges Auftragen der Farben.  

Weiterführende Links

Die Marke Polaroid  (hat nichts mit den für Transfers geiegneten Filmen zu tun) 

The Impossible Project

Kathleen Carr: Polaroid Transfers (Buch, en)

Sarah Wichlacz: Polaroid Transfer Tutorial (en)