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Oft sprechen wir in diversen Diskussionen von kleinen und großen Blenden. So lange alle verstehen, was damit gemeint ist, ist das auch völlig OK. Allerdings gibt’s dann doch oft Erklärungen ala „Große Blende – Kleine Zahl ...“ und das zeigt doch deutlich, dass es da Erklärungsbedarf gibt und wie missverständlich diese Ausdrücke sind.

Warum ist das so? Und wie wäre es besser?

In den meisten Objektiven sind die Blenden immer gleich groß. Sie bestehen aus Lamellen, die ihre Form nie ändern. Sie werden aber verschieden angeordnet. Je weiter die Blende geschlossen wird, desto mehr des Strahlengangs wird abgeblendet und desto kleiner ist die Öffnung die für das Licht übrig bleibt.

Aber es gibt Ausnahmen. Sehr anschauliche sogar. Das klassische Lensbaby 2.0 hat keine verstellbare Blende. Statt dessen wird es mit verschiedenen Blenden ausgeliefert. Das sind runde Eisenplatten mit verschieden großen Löchern. Diese blenden das Licht ab, nachdem der Fotograf sie von vorn im Objektiv angebracht hat. Drei kleine Magnete halten die Blende dabei vor die Frontlinse. Das coole daran ist, dass man die Blende hier anfassen kann. Und es wird deutlich, dass die Blende umso größer (und schwerer) ist, je kleiner das Loch ist. Umso stärker wirkt sie demnach.

 

Ohne jede Blende, also mit „Offenblende“ hat das Objektiv eine Lichtstärke von 2.0. Also f/2.0, wie man auch oft schreibt. Links daneben liegen die Austauschblenden mit jeweils dem Äquivalent einer Lichtstärke oder einer Blendenstufe oder, salopp gesagt, „einer Blende“. Also 2.8, 4.0, 5.6 und 8.0.

Wenn man jetzt sagt „Große Blende = kleine Zahl“, was ist dann mit Zahl gemeint? Die Blendenzahl 2.0 ist die Zahl, die auf dem Objektiv am Blendenring aufgedruckt ist oder die von der Kamera angezeigt bzw. vom Anwender eingestellt wird. Es ist eine kleinere Zahl als z.B. 8.0. Nur ist das ähnlich verwirrend, weil der Blendenwert für diese Blenden 1/2.0 wäre und 1/8.0 und ein Halb ist nun einmal größer als ein Achtel. Solltest Du in die Verlegenheit kommen, mit Blendenwerten rechnen zu müssen, dann wirst Du wahrscheinlich eher mit 1/2 oder 1/8 rechnen als mit 2 und 8.

Wo wir doch oft mit Anglizismen kämpfen …

Das Problem ist in der deutschen Sprache übrigens hausgemacht. Wir sprechen halt von der Blende, und das ist genau genommen der Teil, der das Licht abschattet und nicht der Teil, der es durch lässt. Die Engländer sprechen von der Aperture. Das Wort wird vom lateinischen apertura abgeleitet und meint die Öffnung. Und das ist cool. Denn es kommt ja gar nicht darauf an, wie groß die Blende ist sondern lediglich darauf, wie groß die Öffnung ist.

Deswegen haben die in ihren Diskussionen und Foren auch keine Verwirrung. Eine „small aperture“ ist eben eine kleine Öffnung, also das, was wir kleine Blende nennen … oder doch große Blende?

(Und deshalb gibt es diesen Artikel auf meiner Seite auch nur auf Deutsch, während ich mir sonst Mühe gebe, alle Artikel auch auf Englisch zu verfassen.)

Fazit

Sprich bei Vergleichen mit kleiner oder größer immer von der Blendenöffnung. Das sind ein paar Buchstaben mehr, aber es ist dafür immer eindeutig. Oder beziehe Dich auf konkrete Werte. Wenn Du z. B. 2.8 schreibst, dann wird jeder wissen, dass Du f/2.8 meintest und dass das eine größere Blendenöffung ist als z.B. 5.6.